Montag, 25. Juni 2018, 19:30, Bibliothek Schloss Salem
NEUE ANTWORTEN FÜR HIOB, DIE NATURWISSENSCHAFTEN, DER LIEBE GOTT, UND DAS LEID.

Prof. Dr. Gerhard Haszprunar
Zusammenfassung: Die Theodizee, also die Frage, warum ein allmächtiger und liebender Gott so viel Leid zulässt, gilt bis heute als durch Theologie und Philosophie nicht beantwortet, ja hat sich zur zentralen Begründung einer atheistischen Weltanschauung entwickelt. Hier wird der Versuch unternommen, auf der Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnis und den Überlegungen aktueller Theologie eine Antwort zu geben: Die Naturwissenschaften haben zweifelsfrei festgestellt, dass der Ablauf des Weltgeschehens prinzipiell nicht vorherbestimmt, sondern frei ist. Schöpferische Naturgesetze (sog. "Emergenzen") überwinden die Grenzen zwischen den Schichten des Seins und schaffen sogar Sein aus Nichts. Eine zufällige Welt bedeutet aber nicht Sinn-Losigkeit, sondern bedingt Sinn-Offenheit, d.h. Sinnfindung ist zwar nicht garantiert, aber möglich. Leid, irrelevant ob durch Katastrophen oder durch böse Menschen verursacht, erscheint in diesem Konzept als unvermeidliche Konsequenz der Freiheit, die ein liebender Gott der gesamten Schöpfung einschließlich des einzelnen Menschen gewährt. Gott greift zwar nicht direkt ins Weltgeschehen ein, aber wir alle sind als Kinder (und damit Erben) Gottes aufgefordert, frei-willig dem Leid der Welt entgegenzutreten. Ein solches, nicht vorherbestimmtes, aber von Gott gewolltes und von uns angenommenes Lebensziel ist in der Lage, unserem Leben Frieden und erfüllenden Sinn zu geben.

Kurzvita:
Gerhard Haszprunar (* 25. Februar 1957 in Wien) ist ein österreichischer Zoologe sowie in Personalunion Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Direktor der Zoologischen Staatssammlung München und Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Gerhard Haszprunar wuchs in Wien auf, wo er 1975 seine Matura machte. Er war Zögling des Kollegium Kalksburg (Von 1856 bis 1993 vom Jesuitenorden geführt). Von 1975 bis 1976 absolvierte er seinen Präsenzdienst, bei dem er zum Milizoffizier ausgebildet wurde. Von 1976 bis Anfang 1982 studierte er Zoologie und Botanik an der Universität Wien, wo er Ende 1982 "sub auspiciis" promovierte. Von 1982 bis 1987 war er als Vertragsassistent und Lektor am Zoologischen Institut der Universität Wien in der Abteilung für Spezielle Zoologie und Entwicklungsgeschichte unter Leitung von Luitfried Salvini-Plawén tätig.[1] Wie Salvini-Plawén ist Haszprunar Spezialist für die Systematik der Mollusken. 1987 wechselte Haszprunar an die Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck, wo er zunächst als Universitätsassistent am dortigen Institut für Zoologie in der Abteilung für Ultrastrukturforschung und Evolutionsbiologie unter Leitung von Reinhard M. Rieger arbeitete. Ende 1988 habilitierte er an der Innsbrucker Universität, Anfang 1989 erwarb er dort die Lehrbefugnis als Universitätsdozent für "Zoologie" an der damaligen Naturwissenschaftlichen Fakultät und 1990 wurde er dort als Assistenzprofessor in ein dauerndes Dienstverhältnis übernommen.[1] 1995 erhielt Haszprunar eine Berufung auf den Lehrstuhl für "Systematische Zoologie" an die Ludwig-Maximilians-Universität in München und wurde zugleich in Personalunion als Direktor der Zoologischen Staatssammlung München tätig. Seit Anfang 2006 ist er außerdem als Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns tätig, deren Generaldirektion und Zentralverwaltung ihren Sitz in München haben.[1] Gerhard Haszprunar ist verheiratet, das Paar hat drei Kinder.

Begleitende Literatur:
Böttingheim, C. (2013) Handelt Gott in der Welt? Reflexionen im Spannungsfeld von Theologie und Naturwissenschaft. Herder, 336 S. Haszprunar, G. (2009) Evolution oder Schöpfung - Versuch einer Synthese. Wegweisungen Band 3. EOS-Verlag, St. Ottilien, 143 S. Hoffman, J. (2014) Das Wirken Gottes innerhalb eines evolutiven Weltbildes: Systematische Theologie, Naturwissenschaften und Religionspädagogik im Dialog. Dissertation am Institut der Katholischen Theologie der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe, 322 S. Kreiner, A. (1994) Gott und das Leid. Bonifazius Verlag, Paderborn, 180 S. Stosch, K. von (2013) Theodizee. Grundwissen Theologie. UTB Ferdinand Schönigh, Paderborn, 185 S.

Vortrag(.mp4)


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