19. März 2012, 19:30, Neues Museum Schloss Salem
Technische Optimierung des Menschen oder Streben nach wachsender Integrität? Von der Suche nach einem gelingenden Leben
Professor Dr. Regine Kather

Technische Optimierung des Menschen oder Streben nach wachsender Integrität? Von der Suche nach einem gelingenden Leben Seit der Renaissance hat sich die Vorstellung, dass die Verwirklichung von Humanität an den technischen Fortschritt gebunden ist, immer mehr durchgesetzt. Lange Zeit blieb sie jedoch auf die Herstellung technischer Hilfsmittel beschränkt; erst seit einigen Jahrzehnten wird sie durch den Fortschritt in den Biowissenschaften auf Pflanzen und Tiere angewandt und seit einigen Jahren auch auf den Menschen selbst. Inzwischen erstreckt sich die Überzeugung, dass letztlich alle wesentlichen Probleme technisch lösbar sind, auf nahezu alle Lebensbereiche, auf die Verhinderung des Klimawandels ebenso wie auf die Beseitigung körperlicher Behinderungen und die gezielte Verbesserung mentaler Eigenschaften. Ist also ein glückliches und erfülltes Leben nur eine Frage des technischen Fortschritts? Sollte es also das Ziel der Forschung sein, Grenzerfahrungen wie Leid, Schuld und Tod, möglichst vollständig auszuschalten? Oder bedarf es einer anderen inneren Einstellung, so dass sie zu einem Gewinn an Lebensintensität werden und die ethisch-geistige Entwicklung unterstützen? Nicht nur Philosophen wie Karl Jaspers, der Arzt Viktor von Weizsäcker oder Psychologen wie William James, sondern auch moderne Erkenntnisse zeigen, dass im Durchgang durch Grenzerfahrungen die psychische Integration zunehmen und das Leben plötzlich einen neuen ethischen Mittelpunkt gewinnen kann. Zu ihm gehören nicht nur zwischenmenschliche Beziehungen und die Schönheit der Natur, sondern auch die Offenheit zur Transzendenz, die seit jeher als unverfügbar galt. Im Vortrag werden die Grenzen des Strebens nach technischer Optimierung ausgelotet, indem sie mit einer anderen Form menschlicher Erfahrung und deren Bedeutung konfrontiert werden.
(Regine Kather)

Professor Dr. Regine Kather: Studium von Philosophie, Physik und Religionswissenschaften in Freiburg, Basel, Paris; Promotion (mit Abschluss aller drei Fächer) in Philosophie 1989; Lehrtätigkeit in Philosophie seit 1985 bis heute an der PH Freiburg und anderen Bildungsinstitutionen, seit 1994 auch an der Universität Freiburg. 1997 Habilitation in Philosophie an der Universität Freiburg. Von 2000 - 2005 Professurvertretung an der Universität Freiburg, seit April 2004 als Professorin. Von 1996 - 2006 regelmäßig Aufenthalt im Rahmen von Vortragsreisen und Gastdozenturen an den Universitäten Bukarest Cluj-Napoca/ Klausenburg (Rumänien). Regelmäßig Vermittlung von Philosophie außerhalb der Universität durch Rundfunkessays und Vorträge (insb. Radioessay, Aula und Teleakademie des SWR) sowie seit 1994 Organisation interdisziplinärer Tagungen an der katholischen Akademie Rottenburg-Stuttgart und Teilnahme an einem interdisziplinären Facharbeitskreis. Einladung zu zahlreichen internationalen Konferenzen in den USA, Kroatien, Slowenien, Japan, Indien und anderen Ländern.

Forschungsschwerpunkte:
Anthropologie, Natur- und Religionsphilosophie Hinweise zu Publikationen finden sich unter:www.regine-kather.de

Begleitende Literatur:
Christopher Coenen: Die Debatte über "Human Enhancement"; historische, philosophische und ethische Aspekte der technologischen Verbesserung des Menschen, (2010) ISBN 978-3-8376-1290-5. - Oliver Krüger: Virtualität und Unsterblichkeit. Die Visionen des Posthumanismus. Rombach (2004). - R.Kather: Von der Nachahmung zur Veränderung der Natur. Vom menschlichen Schöpfertum und seinen Grenzen, in: B.Steinhoff - B.Feininger (Hg.): Orte - Worte - Wege. Beiträge zur Kultur, Altern und lernen, Frankfurt/M. 2010, 91-111. - R.Kather: Person. Die Begründung menschlicher Identität, Darmstadt 2007, 290S. - R.Kather: William James: Die Vielfalt menschlicher Erfahrung, in: Geist und Leben 67 (1994) 329-346.



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