14. November 2011, 19:30, Neues Museum Schloss Salem
Gotteskrise - Glaubenskrise - Kirchenkrise.
Versuch einer aktuellen Zustandsbeschreibung
Professor Dr. Johanna Rahner

Die "Gotteskrise" der Moderne ist eine Krise Gottes und des Glaubens an ihn. Das 21. Jahrhundert steht im Schatten des 20. Jahrhunderts, des Jahrhunderts der " Gottesfinsternis" (M. Buber). Die durch die Katastrophen ausgelöste Frage wartet immer noch auf eine Antwort: Wo bleibt Gott? Aber diese Gotteskrise ist auch eine Krise der Gläubigen, eine Krise des christlichen Glaubens an einen erlösenden Gott. Nirgendwo wird die Krise der christlichen Gottesvorstellung in unserer modernen Zeit greifbarer als in der Frage nach der Erlösung des Menschen. "In mir ist nichts, was erlöst werden muss; ich fühle die culpa (Schuld) nicht ... Es geht mich nichts an. Nichts." - so hat Kurt Tucholsky dieses Grundgefühl in seinen "Briefen an eine Katholikin" einmal ausgedrückt. Ein Gott, der nicht rettet, ist nicht zu retten. Diese Krise aber ist insofern eine Kirchenkrise, als unsere mangelnde Glaubwürdigkeit diesen Erlösungsglauben weiter auszuhöhlen droht. Wo mit dem theologisch kostbaren Gut der Glaubwürdigkeit von Seiten der Kirche leichtfertig umgegangen wird, wird die eigene Heilsverkündigung in Frage gestellt.
(Johanna Rahner)

Professor Dr. Johanna Rahner Johanna Rahner (*1962 in Baden-Baden) studierte Katholische Theologie und Biologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. (1982-1989). Studienabschlüsse: Diplom in Katholischer Theologie (1988); Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien (Kath. Theologie / Biologie, 1989), Promotion zum Dr. theol. 1997 an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Habilitation für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität 2003.
Beruflicher Werdegang: Seit WS 2010/11 Prof. für Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Kassel 2006-2010: Vertretungsprofessur für Dogmatik an der Kath.-theol. Fakultät / für Fundamentaltheologie und Dogmatik am Institut für Katholische Theologie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg 2004-2006: Lehrstuhlvertretungen in Freiburg, Münster und Karlsruhe WS 2000/2001-SoSe 2005: Lehrbeauftragte für Biblische und Systematische Theologie an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln.

Forschungsschwerpunkte:

1. Relevanz Biblischer Hermeneutik für die Systematische Theologie 2. Historische Rückfrage nach Jesus und die Grundlegung der Christologie 3. Ökumenische Theologie und ihre ekklesiologischen Problemfelder 4. Christliche Anthropologie und Eschatologie im Angesicht des ungekündigten Bundes mit Israel 5. Verhältnis von Theologie und Naturwissenschaften

Pastoraltheologische Relevanz der ökumenischen und religionstheologischen Dialoge
1. Literatur und Theologie 2. Moderne Religiosität und die Relevanz christlicher Glaubenssätze 3. Verhältnis von Glauben und Denken 4. Theologische Wissenschaft und praktizierte Frömmigkeit


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